Microsoft Surface Pro X – SSD austauschen und erweitern

Microsofts ARM-Prozessor basiertes Surface Pro X* ist das erste Surface Tablet, dass es erlaubt, relativ einfach den verbauten SSD-Speicher zu erweitern (und damit die normalerweise fällig werdenden horrenden Aufschläge für größere SSDs zu umgehen; außerdem bietet Microsoft selbst nur maximal 512GB an, während auf dem freien Markt mittlerweile eine passende 1TB große SSD zu finden ist) oder bei Defekt zu ersetzen. Denn hinter einer magnetischen Klappe auf der Rückseite, die sich einfach mit einem SIM-Tray-Öffner oder einer Stecknadel öffnen lässt, verbirgt sich nicht nur der Einschub für die SIM-Karte des LTE-fähigen Surface Pro X*, sondern auch die verbaute SSD. Die sieht zwar etwas ungewohnt aus, weil Microsoft der SSD ein Metall-Casing – vermutlich zur besseren Verteilung der Wärmeentwicklung – verpasst hat. Ansonsten handelt es sich aber um eine Standard m.2-Schnittstelle die NVMe unterstützt.

Nur auf die richtige Größe bzw. Länger der m.2-SSD muss geachtet werden: es handelt sich nicht um eine Standard m.2 2280 (80 = 80mm Länge), sondern um eine m.2. 2230 (30 = 30mm Länge). Da gibt nicht sonderlich viel Auswahl, von Western Digital gibt es die PC SN520 mit 128, 256 oder 512GB (1.700 MB/s lesen, 1.400 MB/s schreiben). Ich habe die 512GB-Variante (Kostenpunkt etwa 89 Euro) verbaut.

UPDATE 2: In der Zwischenzeit läuft mein zweites Surface Pro X mit einer anderen alternativen NVMe m.2-SSD. Die kommt von KIOXIA (ehemals Toshiba Memory). Die Modellebzeichnung lautet BG4. Die von mir genutzte SSD kommt mit 1TB Speicher (2.300 MB/s lesen, 1.800 MB/s schreiben; hier gibt es reale Testwerte) (Kostenpunkt 189 Euro). Es gibt auch 128GB, 256GB oder 512GB-Varianten.

Einige kleinere Hürden gibt es dann beim Wechsel der SSD des Surface Pro X* aber doch:

Nötiges Equipment:

  1. SIM-Tray-Tool* oder Stecknadel zum Öffnen der magnetischen Klappe auf der Rückseite
  2. Torx T3 Schraubendreher*, um die Schraube zu lösen, die die SSD an Ort und Stelle hält
  3. Austausch-SSD im Format m.2 2230 (NVMe oder langsameres SATA)
  4. USB-Stick* mit mindestens 16 GB (alternativ: Mirco-SD-Karte* und Adapter*, die verlinkte Kombination ist die, die bei mir funktioniert hat)
  5. USB-A auf USB-C Adapter*

Weiteres Vorgehen:

  1. USB-Stick mittels USB-A auf USB-C Adapter mit dem Surface Pro X* verbinden.
  2. Unter Windows 10 nach „Wiederherstellungslaufwerk erstellen“ suchen, Häkchen bei „Sichern der Systemdateien auf dem Wiederherstellungslaufwerk“ setzen und das Wiederherstellungslaufwerk auf dem USB Stick erstellen. Dann: sehr lange warten, bis die Laufwerkserstellung abgeschlossen ist. UPDATE 1: ACHTUNG: bei mir kam es zwei Mal vor, dass das Wiederherstellungslaufwerk scheinbar korrekt erstellt wurde, dann aber von dem Stick nicht gebootet werden konnte (erst mit einem anderen Stick/MicroSD-Karte hat es dann funktioniert. Ein korrekt erstellter Stick muss beim Wiederanstecken direkt im Explorer eingebunden werden, so dass man die EFI-Dateien sehen kann).
  3. Surface Pro X herunterfahren.
  4. Verbaute SSD durch die neue SSD ersetzen (eine bebilderte Anleitung liefert ifixit.com).
  5. USB-Stick mittels USB-A auf USB-C Adapter mit dem Surface Pro X verbinden.
  6. Surface mit gleichzeitig gedrückt gehaltener „Lautstärke Lauter“-Seitentaste und Power-Taste starten (gedrückt halten, bis Windowslogo auf dem Bildschirm erscheint).
  7. Im dann gestarteten UEFI/BIOS entweder die Reihenfolge der Boot-Devices ändern oder mittels eines Left-Swipe über „USB-Device“ direkt vom Wiederherstellungsstick booten.
  8. Im dann geladenen Menü die Windows-Wiederherstellung über externes Medium (von einem Laufwerk wiederherstellen) starten.
  9. Warten bis die Wiederherstellung und Neustarts abgeschlossen sind. Fertig.
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7 Gedanken zu „Microsoft Surface Pro X – SSD austauschen und erweitern“

  1. Hallo,

    habe die SSD nach Deiner Anleitung getauscht wie beschrieben. Jetzt ist auch genau die WD drin mit 512GB. Aber das Surface startet nur ins UEFI. Und rechts oben ist das Symbol der durchgestrichen Festplatte. Die Installation über den Stick startet nicht. Was nun?
    Danke für Deine Hilfe.
    Gruß Oliver

    1. Wurde Schritt 6 (Neustart mit gedrückt gehaltener „Lautstärke rauf“-Taste und Powertaste) gemacht? Dann müsste eigentlich das UEFI erscheinen und sich der USB-Stick als Startlaufwerk auswählen lassen. Das könnte ein Weg sein, falls das durchgestrichene Festplattensymbol anzeigt, dass auf der Festplatte kein System zum Booten gefunden wurde.
      Oder hat Microsoft in der Zwischenzeit ein Firmware-Update herausgebracht, das prüft, ob die verbaute SSD eine Microsoft-Kennung hat (und das durchgestrichene Festplattensymbol steht für eine nicht erlaubte SSD)? Dann wäre evtl. kein SSD-Tausch mehr möglich. Auf die Schnelle habe ich dazu aber nichts gefunden.

    2. So, habe den SSD-Tausch jetzt mit meinem zweiten Surface Pro X mit UEFI Version 3.462.140 nochmal getestet. Verhalten: Nach dem Tausch startet das Surface ins UEFI und zeigt das durchgestrichene Festplattensymbol (weil auf der SSD natürlich kein Betriebssystem gefunden wurde). In den Boot-Einstellungen kann dann über einen Left-Swipe über „USB-Device“ direkt vom eingesteckten USB-Wiederherstellungsstick neu gestartet werden. Das führt bei meinem ersten Versuch allerdings direkt wieder ins UEFI. Bei mir lag der Fehler am USB-Stick (SanDisk Ultra). Windows hatte das Erstellen des Wiederherstellungslaufwerks auf diesem Stick zwar ohne jegliche Fehlermeldung scheinbar korrekt abgeschlossen. Beim Anstecken konnte Windows ihn aber nicht automatisch einbinden. Habe dann über einen Kartenleser das Wiederherstellungslaufwerk auf einer MicroSD-Karte erstellt. Die wurde beim Wiederanstecken sofort im Explorer eingebunden und damit funktioniert dann auch das Left-Swipe-Booten im UEFI und die Wiederherstellung von Windows auf der neuen SSD.

  2. Hallo,

    an der ersten Stelle vielen Dank für den interessanten Beitrag und Bilder. Ich hätte eine Frage zu dem von Microsoft verwendeten Metall Casing.

    Hast du das originale Metall Casing von Microsoft zerlegt und mit dem neuen SSD-Speicher benutzt? Wenn ja, ist es schwierig zu auseinandernehmen? Oder kann man den Ersatzspeicher einfach bar einschrauben? Hast du dann nicht irgendwelche Probleme bemerkt? Zum Beispiel Schwierigkeiten mit der Befestigung des SSDs (Höhenunterschied Metall Casing gegenüber dem baren SSD) oder erhöhte Hitzeentwicklung?

    Ich frage, weil ich bevorzugen würde, wenigstens während der Gewährleistungsfrist, mit dem originalen SSD-Speicher nicht weiter manipulieren zu müssen.

    Vielen Dank wenn du deine Erfahrung teilen könntest.

    Richard

    1. Hallo, nein, ich habe die SSD unmodifiziert eingebaut. Ich glaube aber nicht, dass man das Casing der original MS SSD so einfach ab bekommt, bzw. wie man es an der anderen SSD (falls es überhaupt passen würde) befestigen sollte. Die SSD kann einfach so verschraubt werden, die Aussparung für die Schraube ist auf die SSD-Länge genormt, eine 2230er passt also problemlos. Das Casing ist maximal dafür da, die Hitze der SSD zu verteilen, bzw. etwas Hitze an das Gehäuse abzugeben. Der Effekt ist also allerhöchstens, dass die SSD beim Kopieren riesiger Dateien länger die maximale Schreibrate halten kann, bevor sie thermisch bedingt runterregelt (wobei sie das vermutlich schon vorher tut, weil der schnelle Speicher voll ist).

  3. Hallo,
    ich habe es mit der 1TB KIOXIA Alternative versucht und, um es vorweg zu nehmen, es hat funktioniert! Vielen Dank für die Anleitung. Ich hätte aber fast aufgegeben und die SSD zurückgeschickt, weil ich zunächst meine eigene Strategie verfolgt habe und der Meinung war, dass ich einen konventionellen Klonvorgang starten kann. Das hatte bei dutzenden von Geräten schließlich auch geklappt. Dafür habe ich aber immer Samsung-SSDs mit der kostenlos zur Verfügung gestellten Migration-Software verwendet. Das wäre natürlich viel einfacher gewesen. Einfach klonen, SSD austauschen und fertig. Der Vorteil wäre außerdem gewesen, dass mein System dann auch komplett mit allen installierten Programmen auf der neuen SSD migriert worden wäre. Ich rate nach vielen leidensvollen Stunden dringend davon ab. Ich habe das Klonen mit allen kostenlos zu Verfügung gestellten Programmen auf dem Markt versucht. Entweder sie ließen sich erst gar nicht auf dem Pro X installieren oder der Klonvorgang wurde immer vorzeitig abgebrochen. Verschlüsselung, Virenscanner, Energiesparoptionen usw. wurden vorsichtshalber alle abgestellt und konnten als Fehlerursache ausgeschlossen werden. Was aber viel schlimmer war: Der Einsatz der Klonsoftware führte nach einem Neustart des Systems dazu, dass das System nicht mehr hochfahren konnte, was mit einem Bluescreen und der Meldung „INACCESSIBLE_BOOT_DEVICE“ quittiert wurde. Und das, obwohl die alte SSD unverändert eingebaut war und die zu klonende SSD bereits wieder vom USB C Anschluss entfernt wurde. Danach konnte ich das Pro X nur mit einem kompletten Werksreset wieder zum Laufen bringen und meine Daten waren futsch. Hier liegt der Verdacht nahe, dass dieses Vorgehen durch Microsoft blockiert wird. Da ja dann ohnehin nichts mehr zu retten war, habe ich es so gemacht wie hier beschrieben, wollte aber vorher ausprobieren, ob es nicht doch mit einem USB Stick statt mit einer Micro-SD geht. Das Wiederherstellungslaufwerk konnte aber auf USB nicht erstellt werden (Abbruch nach ca. der Hälfte der Zeit). Daraufhin habe ich es endlich so gemacht wie in der Anleitung nach dem Update beschrieben: Einen USB C auf Micro-SD-Adapter und eine Micro-SD angeschlossen. Jetzt ließ sich das Wiederherstellungslaufwerk komplett erstellen, aber die Datenmenge darauf war nur ca. 8 GB klein. Daher war ich sehr skeptisch, ob die Sicherung überhaupt geglückt war und, ob das damit funktionieren kann, denn im zurückgesetzten Zustand waren auf dem Pro X vorher deutlich mehr Daten auf der Festplatte. Am Ende wurde die neue SSD aber exakt in die gleichen Partitionsteile untergliedert, hatte wieder den vollen Datenumfang und nahezu 1 TB Speicher standen zur Verfügung. Wahnsinn, damit ist das Pro X jetzt seine Anschaffungskosten absolut wert. Ganz nebenbei sind durch den Werksreset auch ein paar Unannehmlichkeiten verschwunden: Instant-On funktionierte nicht richtig und im heruntergefahrenen Zustand ließ sich das Gerät nicht laden. Ich bin jetzt total happy damit. Für mich unter diesen Bedingungen ein absolutes Kaufargument.
    Fazit: Der von SG unter „Update“ beschriebene Prozess scheint der einzige zu sein, der funktioniert, um ein Surface Pro X „upgraden“ zu können. Danke an SG!!! Du bist ein Held! Wer sich viel Zeit und Frust ersparen möchte, macht es genau so. Wichtig scheint dabei die Verwendung einer SD-Karte statt eines USB-Sticks zu sein. Bei mir hätten 16 GB Kapazität der SD vollkommen gereicht. Der Prozess sieht komplizierter aus als er letztlich ist. Interessant wäre, ob Microsoft wirklich ein Klonen aktiv verhindert oder ob dies andere Ursachen hat. Jeder, der die Maßnahmen durchführt, sollte damit rechnen, dass evtl. die Garantie erlöscht.

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