Auferstanden aus Ruinen

… ist heute die Vorratsdatenspeicherung. Die heißt jetzt nur Höchstspeicherfrist, das klingt doch auch gleich viel netter. Sie wurde gestern im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und tritt damit heute in Kraft. Zunächst bleiben uns aber noch ein paar Monate Gnadenfrist, die den Providern eingeräumt wurde, um die neue anlasslose Massenüberwachung umzusetzen. Dann werden unsere Daten auf Gedeih und Verderb für zehn Wochen gespeichert. Vorsorglich kam aus Bayern dann auch schon mal der nächste grandiose Vorstoß: wenn dann doch eh Daten vorliegen, dann könne es ja nicht sein, das nur Polizei und Strafverfolgung darauf zugreifen dürfen. Natürlich müsse auch der Verfassungsschutz diese Daten nutzen können. Aus den Snowden Enthüllungen hat man wohl nur gelernt, dass die Nachrichtendienste wirklich alles wissen müssen, um arbeiten zu können… Bayern hat daher schon mal eine entsprechende Novellierung seines Verfassungsschutzgesetzes beschlossen. Wir haben also wieder einen Grund mehr, unsere gesamte Kommunikation zu verschlüsseln und warten in der Zwischenzeit auf den Ausgang der anhängigen Verfassungsklagen.

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Ein Monat mit blendle.com – Erstes Fazit

Nachdem ich im Oktober meinen ersten Zeitungsartikel über blendle.com gelesen habe, wird es Zeit, ein erstes Fazit nach gut vier Wochen zu ziehen.

Einfach und übersichtlich, aber auch etwas intransparent. Ein Klick auf einen Artikellink der täglichen Mail und man landet sofort im gewählten Artikel. Nicht erst in einer kurzen Vorschau, man wird sofort automatisch um eine vorher nicht einsehbaren Betrag erleichtert (warum kann man die Kosten nicht schon in der Mail anzeigen? Natürlich kann man sich sein Geld einfach wieder holen, wenn man unzufrieden mit dem Gebotenen ist oder mal wieder ausversehen zu schnell auf einen falschen Link geklickt hat…).

Jetzt gibt es automatisches Aufladen um 10 Euro, sobald nur noch ein Euro oder weniger auf dem Konto ist. Leider halten 10 Euro nicht sehr lange. Ein Spiegel Artikel? 1,99 Euro weg. Bei einem digitalen Heftpreis von 3,99 Euro finde ich eine solche Preisgestaltung indiskutabel. zumindest blendle kommt einem aber entgegen – würde man mehr für Einzelartikel einer Zeitschriftenausgabe ausgeben als die Gesamtausgabe kostet, bekommt man stattdessen diese komplett freigeschaltet. Aber meiner Meinung nach wird das ganze Konzept, für einzelne für einen interessante Artikel zu zahlen, ad absurdum geführt, wenn ein Artikel fast die Hälfte des Zeitschriftenpreises kostet.

Statistik über gut vier Wochen : 30 gekaufte Artikel im Wert von 16,74 Euro

  • 3 Der Tagesspiegel
  • 5 Der Spiegel
  • 3 WirtschaftsWoche
  • 2 Süddeutsche Zeitung
  • 1 NZZ
  • 6 Frankfurter Allgemeine
  • 1 Handelsblatt
  • 2 Die Zeit
  • 1 The Economist
  • 1 Stern
  • 1 Bild am Sonntag
  • 1 Hannoversche Allgemeine
  • 1 Die Welt
  • 1 Cicero
  • 1 Rheinische Post
  • Durchschnittlicher Preis je Artikel: 56 Cent
  • Preisspanne: 25 Cent bis 1,99 Euro

Es mag zwar etwas absurd anmuten, aber ich glaube, blendle würde für mich erst wieder richtig interessant werden, wenn die Verlage anfingen, ihren Content hinter einer Paywall zu verstecken statt, doch relativ zeitnah, werbefinanziert über ihre Webseite frei zugänglich zu machen.

Erst heute morgen hat mir blendle, wie jeden Tag, eine Mail mit dem „Besten auf Blendle“ geschickt. Darin der Link auf einen Artikel der Zeit, den ich für 0,29 Cent hätte kaufen können. Nun hatte ich aber just diesen Artikel einen Tag zuvor bereits kostenlos direkt über den RSS Feed der Zeit gelesen.

Jetzt bei jedem möglicherweise interessanten Artikel erstmal zu gucken, ob es den schon umsonst auf der Originalseite gibt, ist mir viel zu anstrengend.

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Wer etwas erleben will, schalte eine Anzeige bei eBay Kleinanzeigen

Unbedarfterweise bin ich davon ausgegangen, dass zumindest bei einem Teil der Interessenten halbwegs klar ist, wie ein normales Verkaufsgespräch verläuft, wenn man ein neuwertiges MacBook für 1.200 Euro Verhandlungsbasis bei eBay Kleinanzeigen einstellt. Aber weit gefehlt. 
Der Normalfall auf dieser Plattform ist eine der folgenden drei Erstkontaktanfragen:

  1. Tauschen sie auch gegen Smartphone, Kopfhörer, anderes Notebook, Autofelgen… (plus Zuzahlung)?
  2. Was wäre denn ihre Schmerzgrenze? Was ist ihr letzter Preis?
  3. Biete ihnen 400 Euro.

Der Großteil der anderen Kontaktaufnahmen fragt dann nach Daten (wann gekauft, Garantie bis wann, Rechnung vorhanden?), die bereits im Anzeigentext deutlich drin stehen. Von kaum lesbaren Anfragen nach Versand nach Nirgendwo bei Abwicklung über dubiose MoneyTransfer-Services fange ich jetzt gar nicht erst an.
Vielleicht sollte ich mir, anstatt jedes Mal über die Anfrage genervt zu sein, drei Standardantworten zurechtlegen:

  1. Smartphone, Kopfhörer… können Sie gerne kostenlos drauflegen, wenn Sie sie unbedingt loswerden wollen. Ich kann damit auf jeden Fall nix anfangen.
  2. Ich habe tatsächlich ganz bewusst Verhandlungsbasis und nicht Festpreis für meine Anzeige ausgewählt… machen Sie doch mal ein angemessenen Angebot.
    Oder: Was wäre denn Ihre Schmerzgrenze?
  3. Biete Ihnen 300 Euro für Ihre 400 Euro.
    Oder: Dafür kann ich Ihnen zwar nicht das MacBook aber gerne einen Kopfhörer, ein Smartphone oder ein paar Autofelgen anbieten. Haben Sie Interesse?
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