BGH Urteil: Von Autoren, Verlagen und der VG Wort

Der BGH hat entschieden, dass die einfache Ausschüttung von 30 bis 50 Prozent der über die Urherberrechtsabgabe eingesammelten Gelder an die Verlage nicht rechtens ist. Die gesamten Abgaben müssten wohl, rückwirkend für zwei Jahre, an die Autoren ausgeschüttet werden.

Ein Urteil, das nicht allen gefällt – natürlich vor allem den Verlagen nicht. Aber auch im Feuilleton wird der drohende Untergang der Zivilisation heraufbeschworen, so etwa von Wiebke Porombka, deren Kommentar in Zeit Online unter dem Titel „Ein fatales Urteil“ daherkommt.

Beim Lesen sind mir ein paar unsystematische Fragen in den Sinn gekommen:

  1. Porombka spricht den Verlagen, aufgrund ihrer Bedeutung für das letztlich veröffentlichte Werk und ihren „Distributionsaufwand“, ein sekundäres Urheberrecht zu. Was bitte soll das sein? Eine Urheberrechtsabgabe sollte dem Namen nach den Urhebern der Werke zugutekommen – für mich sind das immer noch die Autorinnen und Autor.
  2. Kleine Verlage würden verschwinden, weil sie auf die Einnahmen aus der Abgabe eingewiesen sind. Ich würde von einem Verlage ein tragfähiges Geschäftsmodell erwarten, mit dem er so wirtschaften kann, dass er mit seiner Tätigkeit Gewinn einfährt.
  3. Den Verlagen würde etwas dafür zustehen, dass ihre „Bücher und Texte nach der Erstveröffentlichung genutzt“ werden, zum Beispiel in Form von Kopien. Im Bereich der nicht wissenschaftlichen Literatur stelle ich mir die Frage, wie viele Romane denn so täglich im Copyshop kopiert, von Privatpersonen zuhause eingescannt und ausgedruckt werden, damit der Verlag dafür „entschädigt“ werden muss?
  4. Die Verlage würden das Geld ja auch nutzen, um Autor/inn/en zu fördern und für qualitativ hochwertige Veröffentlichungen zu sorgen. Im Wissenschaftsbereich habe ich eher das Gefühl, dass viele Verlage wenig bis nichts tun. Die kritische Begutachtung der Texte findet in der wissenschaftlichen Community statt und vom Verlag gibt es oft nicht einmal ein Lektorat (natürlich kann Grammatik-/Rechtschreib- oder Stilbearbeitung kostenpflichtig geordert werden). Gewünscht wird vielmehr die Abgabe eines druckfertigen PDF. Wissenschaftliche Bücher (und vor allem Zeitschriften) werden zu horenden Preisen angeboten (und müssen dann von wissenschaftlichen Institutionen und Bibliotheken teuer „zurückgekauft“ werden), Werbung wird so gut wie gar nicht gemacht und der Druck von Doktorarbeiten muss mit vierstelligen Beträgen selbst finanziert werden. Warum um alles in der Welt sollten die Verlage für diesen „Service“ mit 50 Prozent der Urheberrechtsabgabe belohnt werden?
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