Lenovo ThinkPad X1 Tablet: Ubuntu 16.10 – Was geht?

Ein Tablet für GNU/Linux? Mit dem Lenovo ThinkPad X1 Tablet* sieht die Antwort auf die Frage gar nicht so schlecht aus.
Die folgenden Ausführungen beziehen sich dabei auf:

  • Lenovo ThinkPad X1 Tablet, Core m7, mit BIOS Version 1.57
  • Ubuntu 16.10 64bit
  • Kernel 4.8.0-32

Das Starten der LiveCD von Ubuntu 16.10 dauert zwar irgendwie ziemlich lange, funktioniert aber mit UEFI und SecureBoot normalerweise. Ab und an startet die LiveCD bei mir den Grafikmodus aber nicht korrekt (low graphics warning) – beim zweiten Start funktioniert es dann aber meistens.  Nach der Installation von Ubuntu funktioniert das Starten dann aber problemlos. Mit Kernel 4.8.0-32 sieht es wie folgt mit der Funktionsfähigkeit des ThinkPad X1 Tablet aus:

Funktion Stand der Dinge
Touchscreen Funktioniert problemlos.
Stylus/ Stift Funktioniert problemlos.
ThinkPad X1 Tablet Thin Keyboard An- und Abdocken funktioniert problemlos.
Touchpad Das Touchpad des ThinkPad X1 Tablet Thin Keyboard funktioniert zwar, allerdings nur als generic mouse. Daher gibt es kein scrollen mit zwei Fingern.
Tastatur Die Tastatur des ThinkPad X1 Tablet Thin Keyboard funktioniert problemlos.
TrackPoint Der TrackPoint des ThinkPad X1 Tablet Thin Keyboard funktioniert Out-of-the-Box nicht. Allerdings lässt er sich sehr leicht zum Leben erwecken: es muss nur in „/etc/default/grub“ die CMDLINE Zeile mit „quiet splash“ um ein Parameter erweitert werden:

quiet splash usbhid.quirks=0x17ef:0x6085:0x40

Dann mit „sudo grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg“ die Konfiguration anwenden und neu starten.
Allerdings ist standardmäßig die Scrollfunktion der mittleren Taste nicht aktiv. Manuell kann man mit

xinput set-prop DEVICEID "Evdev Wheel Emulation Button" 2

und

xinput set-prop DEVICEID "Evdev Wheel Emulation" 1

die Scrollfunktion aktivieren. DEVICEID ist eine der beiden ids, die bei Eingabe von „xinput“ mit dem Namen „PRIMAX ThinkPad X1 Tablet Thin Keyboard“ angezeigt werden, die andere ist das Touchpad – das man dann auch gleich ausschalten kann, wenn nicht benötigt:

xinput disable DEVICEID

 

USB-C Anschluss Aufladen funktioniert natürlich ohne Probleme.
USB-C auf DisplayPort: nicht getestet.
USB-C auf HDMI: problemlos (FullHD 60Hz, 4k nur 30Hz).
USB-C auf VGA: nicht getestet.
USB-C auf USB-A: problemlos.
Front-Kamera Funktioniert nicht.
Back-Kamera Funktioniert nicht.
Mini-DisplayPort Mini-DisplayPort auf DispalyPort: problemlos (4k mit 60Hz).
Mini-DisplayPort auf HDMI: problemlos (FullHD 60Hz, 4k nur 30Hz).

Mini-DisplayPort auf VGA: nicht getestet.
Mobiles Breitband LTE/4G Modem wird erkannt, funktioniert aber (noch) nicht (zum Problem gibt es einiges an Diskussion).
Audio Soundausgabe funktioniert problemlos.
Hardware-Lautstärke-Tasten funktionieren problemlos.

Mikrofon nicht getestet.
WLan Funktioniert problemlos (iwlwifi-8000C-22.ucode bis iwlwifi-8000C-24.ucode fehlen, zumindest 22 kann hier heruntergeladen und nach „/lib/firmware“ kopiert werden).
Bluetooth Funktioniert problemlos.
Standby Suspend-to-ram/ Bereitschaft funktioniert bedingt, leuchtendes ThinkPad-i bleibt an.
Gyroskop/ automatische Displaydrehung Funktioniert nicht.
Fingerprint-Reader Funktioniert nicht.
MicroSD-Card-Reader Funktioniert problemlos.
Shortcuts Stand der Dinge
F5/F6 – Bildschirmhelligkeit Funktionieren problemlos.
Space – Keyboard Backlight Funktioniert problemlos.
F2/F3 – Lautstärke Funktionieren problemlos.
F1 – Mikrofon stummschalten Funktioniert problemlos.
F1 – Fn-Lock Funktioniert nicht.
F7 – Externer Bildschirm Funktioniert nicht.
F8 – Flugmodus Funktioniert nicht.
F9 – Einstellungen Funktioniert nicht.
F10 – Suche Funktioniert nicht.
F11 – Task-Switcher Funktioniert.
F12 – Expose/Starter Funktioniert nicht.

Nach der Installation von TLP („sudo apt-get install tlp tlp-rdw“) komme ich bei normalen Büroarbeiten auf einen Verbrauch von etwa 4 bis 7 Watt, was etwa einer Laufzeit von 5h – 8h entspricht (Displayhelligkeit etwa 1/3).

Leider leidet auch das Lenovo ThinkPad X1 Tablet*, gerade bei CPU-Last oder längerem SSD-Zugriff, unter deutlich wahrnehmbarem Coil-Whine bzw. CPU-Fiepen. Außerdem scheint Lenovo bei den Displays Probleme zu haben. Es gibt mehrere Bericht von gelben Flecken in den Displayecken, die besonders bei hellem Hintergrund sichtbar sind. Auch mein Gerät hatte einen gelbe Fleck in einer Ecke und zusätzlich gelbe Streifen am linken und oberen Displayrand.

Weitere Quellen:

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MacBook 12, Yoga 900s und EliteBook Folio G1 im Datenüberblick

Mittlerweile sind zwei starke Konkurrenten zum Apple MacBook 12 erhältlich. Lenovo hat das Yoga 900s im Angebot und HP schmeißt das EliteBook Folio G1 ins Rennen. Wer ein leichtes, Immer-dabei-Unterwegsnotebook sucht, hat jetzt also mehr Auswahl. Hier ein erster Überblick, über die grundlegenden Daten.

Apple MacBook 12 (Early 2016) Lenovo Yoga 900s HP EliteBook Folio G1
Maße und Akku
Gewicht 927 g 999 g 971 g
1.070 g (Touch)
Breite 280,5 mm 305,0 mm 292 mm
Tiefe 196,5 mm 208,0 mm 209 mm
Höhe 10,7 mm – 14,0 mm 12,8 mm 11,9 mm
12,4 mm (Touch)
Akku 41,4 Wh 53 Wh 38 Wh
Laufzeit 10 h 10 h 7-10 h
5-7 h (Touch)
Gewicht Netzteil 171 g
(29 W)
227g
(40 W)
283g
(45 W)
Bildschirm
Größe 12,0 Zoll  12,5 Zoll  12,5 Zoll
Seitenverhältnis 16:10  16:9  16:9
Auflösung 2.304 x 1.440
(226 PPI)
1.920 x 1.080
(176 PPI)
2.560 x 1.440
(234 PPI)
1.920 x 1.080
(176 PPI)
3.840 x 2.160 (Touch)
(352 PPI)
Helligkeit 371,8 cd/m2 283 cd/m2 288 cd/m2
377 cd/m2 (Touch)
Kontrast 823:1 1190:1
Spiegelnd ja ja nein
ja (Touch)
Paneltechnik IPS / LED IPS / LED UWVA / LED
Touchscreen nein
ja (Touch)
ja
(10 Punkt)
nein
ja (Touch)
Stifteingabe nein ja
(aktiv, 2.048 Druckstufen)
nein
Öffnungswinkel 130 Grad 360 Grad 180 Grad
Anschlüsse
USB-A 2.0 1  –
USB-A 3.0 1  –
USB-C 3.1 Gen 1 1 1  –
USB-C 3.1 Gen 2  –  –
USB-C 3.1 Gen 2/ Thunderbolt 3  – 2
Klinke/ Headset 1 1 1
Netzteil (1) (= USB-A 2.0)  –
Hardware
Prozessoren m3-6Y30 1,1 GHz (2,2 GHz)
m5-6Y54 1,2 GHz (2,7 GHz)
m7-6Y75 1,3 GHz (3,1 GHz)
m5-6Y54 1,1 GHz (2,7 GHz)
m7-6Y75 1,2 GHz (3,1 GHz)
m5-6Y54 1,1 GHz (2,7 GHz)
m7-6Y75 1,2 GHz (3,1 GHz)
Grafikkern Intel HD 515 Intel HD 515  Intel HD 515
Ram 8 GB
(LPDDR3-1866)
4 GB / 8 GB
(LPDDR3-1600)
8 GB (LPDDR3-1866)
SSD 256 GB / 512 GB NVMe
(931 MB/s lesen, 674 MB/s schreiben)
128 GB / 256 GB / 512 GB NVMe
(1685 MB/s lesen, 589 MB/s schreiben)
(M.2 Slot)
256 GB / 512 GB SATA / NVMe / SATA (440 MB/s lesen, 256 MB/s schreiben)
(M.2 Slot)
W-Lan Broadcom 802.11ac
(570 MBit/s empfangen, 397 MBit/s senden)
Intel 8260 802.11ac
(M.2 Slot)
Intel 8260 802.11ac
Bluetooth 4.0 4.1 4.2
Kamera 480p 720p 720p
Tastatur/ Keytravel 0,5 mm (19 x 18,5mm Raster) 1,05 mm (18 x 18mm Raster)
Software
Betriebssystem OS X 11 Windows 10 Home 64 Windows 10 Pro 64
Preise (UVP)
min. Ausstattung 1.449,00 € 1.299,00 € 1.679,09 €
max. Ausstattung 1.979,00 € 1.599,00 € 2.299,08 €

Tests und Reviews:

Apple MacBook 12 (Early 2016)

Lenovo Yoga 900s

HP Folio G1:

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ThinkPad Yoga 260 – Teil 6: Negatives auf den zweiten Blick

Bei der täglichen Arbeit mit dem Lenovo ThinkPad Yoga 260 haben mich doch einige Punkte mehr oder weniger genervt, so dass ich mich von dem Notebook wieder getrennt habe. Hier knapp die Punkte als unsortierte Liste:

  • Das 360 Grad Scharnier ist nicht straff genug, um das Display vernünftig in Position zu halten. Es schwingt deutlich nach. Leider ist das nicht nur der Fall, wenn man das Display antippt, sondern generell, wenn man das Notebook auf einem nicht festen Untergrund (wie den Oberschenkeln) benutzt.
  • Der Lüfter geht sehr schnell an und gibt bereits auf der zweiten Geschwindigkeitsstufe ein nerviges Geräusch von sich. Unter Ubuntu startet der Lüfter bereits beim Ansehen eines Videos mit Firefox (natürlich ohne Flash).
  • Der Displaydeckel ist wenig verwindungssteif. Da bekommt man bei jedem Drehen des Displays um 360 Grad ein ungutes Gefühl.
  • Die beiden Seitentasten des Stiftes (der generell etwas arg kurz und schmal ist) sind blind nicht bedienbar. D.h. man muss jedesmal den Stift drehen, hingucken und explizit einen Finger auf die richtige Taste legen.
  • Das Display ist mit 12,5 Zoll eigentlich zu klein für die Gesamtgröße des Geräts (sprich: die breiten Trauerränder um das Display sind unschön).
  • Das Display ist zwar noch wie beim Vorgänger mit einer Antireflektionsfolie bezogen, ist aber dennoch alles andere als matt. Die Rest-Spiegelungen sind nicht weniger störend als bei den (ja auch etwas matten) Displays von MacBook oder iPad. Hinzu kommt, dass leider auch der breite schwarze Displayrand spiegelnd ist.
  • Die Geschwindigkeit des ThinkPad Yoga 260 ist suboptimal. Der Prozessor wird schnell und deutlich gedrosselt (trotz der Geräuschkulisse) und dessen Grafikeinheit bringt darüber hinaus durch die Single Channel Anbindung des Arbeitsspeicher ohnehin nicht ihre maximal mögliche Leistung.
  • MicroSD ist zwar besser als nix, heißt aber auch, dass man seine Kamera nur mit MicroSD-Adapter betreiben kann. Außerdem scheint mir der Kartenleser nicht sehr schnell zu sein.
  • Das Gewicht ist mit 1,3kg zum Vorgänger zwar deutlich gesunken (auf Kosten der Stabilität und etwas Akkuleistung…), allerdings zeigt es damit meiner Meinung nach weiterhin die Sackgasse im 360 Grad Design: Das Teil ist bei dem Gewicht einfach nicht wirklich als Tablet(ersatz) zu benutzen. Und „dank“ des nachwippenden Displays macht auch die alternative Nutzung im (umgedrehte) Laptopmodus mit Touch und Stylus nicht viel Spaß (bleibt vielleicht nur der sogenannte Tent/Zelt-Modus, mit dem ich mich aber irgendwie so gar nicht anfreunden kann).
  • Obwohl der TrackPoint des Yoga bereits deutlich tiefer im Tastaturbett liegt als es etwa beim USB Compact Keyboard von Lenovo der Fall ist, hinterlässt der TrackPoint einen Abdruck auf dem Display. Klar verschwindet der wieder, wenn man über das Display wischt, aber unschön ist das trotzdem.
  • Auch wenn ich bei der Benutzung des Yoga 260 Glück hatte, die in einem Review festgestellte „Sollbruchstelle“ über dem Slot für den Stylus ist eigentlich nicht vertretbar. Tatsächlich gibt das Yoga deutlich nach, wenn man an der Stelle von oben etwas mehr Druck ausübt.
  • Beim Umklappen in den Tabletmodus sollte man tunlichst aufpassen, nicht aus Versehen eine Taste des Keyboards festzuhalten. Durch den Lift-n-Lock Mechanismus der Tastatur verklemmt sich sonst die heruntergedrückte Taste.

Einiges mag sicherlich überkritisch sein, aber insgesamt waren mir das dann doch zu viele Negativpunkte.

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